Nach Kräften wird an diesem Freitagmorgen Anfang September 2019 in der Appenzeller Holzfachschule in Teufen geschraubt, gesägt und Balken positioniert. Unter den Händen von neun angehenden Zimmermännern aus der Region entsteht hier innert Wochenfrist der Rohbau eines Appenzeller Hauses im Kleinformat. Die Riegelbaute, welche fünf auf 3.8 Meter misst, wird Ende August 2020 als Auskunftsstelle für Gäste und Athleten des Eidgenössischen Jubiläums-Schwingfestes dienen. Die Pläne des Infostands hat Stefan Inauen-Willi gezeichnet. Inauen ist nicht nur ÜK-Lehrer an der Holzfachschule, sondern auch EJSF-Ressortchef für Eigen- und Nebenbauten. Mit dem Infostand-Projekt hat er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: «Zum einen haben die Erstjahrlehrlinge somit ein anspruchsvolles Projekt, das später einen gemeinnützigen Zweck erfüllt und andererseits wird damit das EJSF-Baubudget geschont. Denn die EJSF-Organisatoren brauchen nur die Materialkosten zu decken», erzählt Stefan Inauen.

Gemeinschaftswerk von Erst- und Zweitjahrlehrlingen
Die Pläne für das Info-Haus sehen eine Riegelbauweise aus Fichtenholz mit gehobelten Balken und Streben vor. Mit kleinen Details wie dem Andreaskreuz werden die neun Zimmermann-Lehrlinge gleich in ihrem ersten ÜK gefordert und lernen Finessen von Hand zu fertigen, die in ihren Lehrbetrieben längst Maschinen erledigen. Mitten in diesem Gewusel von Erstjahrlehrlingen gibt Kursleiter Jakob Forrer  den jungen Burschen mit stoischer Gelassenheit präzise Anweisungen. Die Auszubildenden sind mit Feuereifer bei der Sache und freuen sich sichtlich, dass sie mit ihrer Arbeit mit ein Teil jener sind, die sich für das EJSF engagieren. Auf dem Vorplatz wird das ganze Häuschen fixfertig aufgerichtet um zu sehen, ob auch wirklich alle Einzelteile vorhanden sind und zusammenpassen. Danach folgt die Demontage. Das Häuschen wird nun bis zum kommenden Frühling bei der Holzin AG in Appenzell eingelagert. Im April 2020 werden dann Zimmermänner des zweiten Lehrjahres die Feinarbeiten vornehmen, wie beispielsweise die Aussenverkleidung, bevor die Lehrlingsarbeit vom 28. bis 30. August 2020 als Dreh- und Angelpunkt für EJSF-Fragen aller Art dient.

Die Appenzeller Holzfachschule
An der Hauptstrasse 39 in Teufen werden seit 1989 Zimmerleute, beziehungsweise seit 1993 Schreiner, von Lehrbetrieben aus beiden Appenzeller Halbkantonen in ÜKs an der Holzfachschule (HFS) ausgebildet. Während ihrer vierjährigen Lehrzeit absolvieren die jungen Berufsleute zusätzlich zur Ausbildung in den Lehrbetrieben 48 Kurstage (Zimmerleute) beziehungsweise 44 Kurstage (SchreinerInnen) an der HFS. Schwerpunkte der HFS-Ausbildungen sind das prozessorientierte Handeln, «vom Plan aufs Holz», rationelle Abläufe, Materialienkunde, Arbeitssicherheit, Bedienung von Handwerkzeugen, Hand- und stationären Maschinen und gegen Ende der Lehrzeit die Ausbildung an der CNC. Auch die Techniken zur Behandlung von Oberflächen werden vermittelt. Jährlich werden zwischen 40 und 50 angehende Holzfachleute in Teufen ausgebildet. Betrieben wird die Schule durch den Schreinermeisterverband Sektion AR/AI des VSSM (Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten) sowie die beiden Kantonalverbände der Zimmerleute (Holzbau Schweiz, Sektionen AR und AI). Fünf Vertreter dieser Verbände bilden die Betriebskommission (Schulleitung) und wählen den Betriebsleiter, der die Schule führt.

Die neun Lehrlinge und ihre ÜK-Lehrer Jakob Forrer (1. v.r.) und Stefan Inauen (2. v.r.)